Diary

Tagebuch - Diary

Aktuelle Kamera oder der rote Pfad in Anlehnung an die Markierung auf der Internetseite via Alpina

Wohlstandsgemäß ließen wir uns mit dem Auto zum Bahnhof chauffieren und aßen erst einmal im Bahnhofsrestaurant (Terrasse) Frühstück. Mit dem ICE ging es nach München und im Regio nach Garmisch Partenkirchen. Da begann es schon das Drama. Toma bekam Hunger. Und wenn etwas gefährlich ist, besonders für mich, ist wenn meine Frau Hunger hat. Dann herrscht die 5 % Salzsäure in einem Faustgroßen Organ über 5 Kilo Gehirnmasse, vielleicht auch ein wenig weniger.
Da gibt es nur eins- keinen Widerstand leisten - ja sagen.
Also sagte ich ja zum ersten Restaurant, was vom Ausgang des Bahnhofes zu sehen war.
Sie bestellte einen Salat, da man ja nicht mit leerem Magen eine mehrstündige Tour in die Berge beginnen könnte. Ich hatte meine Makkaroni oder Spagetti längst aufgegessen und wurde schon unvorsichtig und fragte, ob wir los können. Die ZEIT LIEF; WIR HATTEN NOCH EINIGES ZU GEHEN. Aber Toma hatte noch ein Salatblatt auf dem Teller und schnitt es sehr klein. Meine Gehirnmasse hatte wohl im Untergrund überlegt, dass kleine Salatblätter wenig mit Energieaufnahme zu tun hatten, vielleicht mit Genuss, aber dafür hatte mein Gehirn jetzt keine Nerven.

Jetzt die Mail von Tomas Handy einfügen.
Mein Handy ist down und ich muss die Odyssee auf Tomas Handy weiter schreiben. Wir saßen ja auf dem Bahnhofsvorplatz und fast alle Taxen waren schon weg. Ich wurde nervös und Toma empörte sich, dass ich sie ihr letztes Blatt nicht essen ließ. Also duckte ich mich wieder und schwieg. Ein Taxi war dann doch noch da und wir fuhren zum Startpunkt und sparten uns den Weg durch die Stadt. Das hatten wir ja schon im Vorjahr getan. Angekommen wollte ich dem Taxifahrer behilflich sein und meinen Rucksack abnehmen, da raunzte er mich an, warum ich so hektisch wäre, wir wollten doch n die Berge, da macht man alles mit Ruhe. Mit meiner Ruhe war es schon längst vorbei, denn der nächste Raunzer kam schon, als ich nicht wusste, wo es lang geht. Zum Glück hielt das Taxi direkt vor einer großen Karte und wir konnten uns orientieren. Es ging bergauf. Die Sonne schien und selbst jetzt kriege ich ununterbrochen Mecker, da ich ja Tomas Handy okkupiert habe



Wir gingen los und schaffen 10 Schritte. Toma musste die Brille wechseln. Die Sonne schien. Das hatte sie im Taxi nicht getan. Dann waren es die Stöcke und wir machten wieder halt. Es ging bergauf. Hitze. Die Partnachklamm war gesperrt wegen Murenabgängen. Der Weg über die Partnachalm war ein wenig länger. Noch während des Aufstieges piekte es bei Toma unter dem Rucksack. Wer hatte sich wohl dorthin verirrt? Rucksack ab, Nicky hoch, nichts. Wir mussten keine Zecke herausschneiden. So quälten wir uns den ersten Anstieg hinauf und hatten an der Schnittstelle zwischen Nichturlaub und Urlaub, viel zu tun, um endlich im Urlaub anzukommen. Als Toma dann sagte, warum ich ständig schweige, wusste ich genau, dass ich im Urlaub angekommen war. Nach 40 Minuten kehrten wir ein, in die Partnachalm, tranken etwas und weiter ging es. Jetzt schon bei gefühlten 30 Grad. Forststraßen, zu Beginn asphaltiert, danach Schotter gewalzt hatten wir unter den Füßen. Und der liebe Gott hatte es gut mit mir gemeint, als er am Abreisetag mir zeigte, dass meine fast neuen Wander-Schuhe kaputt waren. Als der Outdoorladen bei uns in Haltern aufmachte, stürmten wir hinein. In so kurzer Zeit hat wohl noch niemand dort Wanderschuhe gekauft. Diese Wanderschuhe hatten eine stabile Sohle, durch die ich die Schotter-Steine nicht spürte. Die alten Schuhe hatten nicht so eine komfortable Sohle. Als wir dann endlich an der Partnach waren und in ihr Tal einbogen, begann der schöne Weg. Waldboden und schöne Natur, die Partnach zeigte sin von ihrer besten Seite, wild, romantisch, im Sonnenlicht. Sie schnitt sich durch die Felsen und in Richtung Talende ragten die Berge des Zugspitzmassives empor. Das Tal war eng und schattig und die Hitze hatte hier noch nicht die Herrschaft übernommen. Aber da es wieder, das Pieken, unter dem Rucksack. Das Misstrauen in meine Fähigkeiten, Zecken zu erkennen, war groß. Also Rucksack ab, Nicky hoch, Fotoapparat raus, Foto gemacht, vergrößert, Ruhe.
In der Bockhütte machten wir wieder eine kleine Trinkpause und hatten nun nur noch zwei Gehstunden vor uns. In den zwei Stunden ging es weiter durch das wunderschöne Tal der Partnach und wir lernten, dass man auch auf Waldboden Schotter kippen kann, sodass das Laufen nicht so angenehm ist. Die Reintalanger-Hütte war plötzlich da. Noch vor der geplanten Zeit. (was hoffen lässt, dass wir die angegebenen Zeiten diesmal vielleicht schaffen)
Waschen mit eiskaltem Wasser, Toma hatte alles verbraucht und ich duschte nach ihr. Die Hütte war rappel voll, aber es gab auch viel Personal, das die Wartezeiten erträglich gestaltete.
Schalten im 5 Mannzimmer -mit vier Mann belegt.


Der rote Pfad

14.07.2018
Reintalangerhütte – Biberwier
Müdigkeit ist, was bleibt nach so einem Tag.
Toma schläft schon. Erschöpft.
Der gestrige Abend endete mit einem Gitarrenvorspiel im Aufenthaltsraum der Hütte. Die Gitarre schnurrte so, dass mein Hocker in der Etage darüber vibrierte und ich dachte, ich hätte Hummeln im Ar… Mal eine neue Art den Abend ausklingen zu lassen. Und der nächste fing genauso an. Ein Gitarrenlied weckte alle in der Hütte kurz nach sechs Uhr. Ich döste noch einige Zeit vor mich hin und dann ging es recht schnell. Zusammenpacken, Frühstücken, Abmarsch so gegen 7.30 Uhr. Bergauf. Zum Glück war es bedeckt und sah eher nach Regen aus, obwohl gar keiner angekündigt war. Die erste Stunde stiegen wir so auch ohne Sonne bergauf. 500 Meter gegangen, Toma musste auf Toilette. 1kmgegangen, drei Tropfen, Toma musste sich umziehen. 1,5 km gegangen, Toma suchte ihren Lippenstift, um schön auf den Fotos auszusehen. Es ging als erstes Etappenziel zur Knorrhütte. Hier schien aber schon die Sonne und wir tankten Flüssigkeit. Skiwasser und Edelduft, ein Getränkt chemischen Ursprungs, wahrscheinlich aus der Parfümforschung. Egal, der Flüssigkeitsspiegel musste wieder aufgefüllt werden nach 650 Höhenmetern und viel Schweißverlust. Die Berge ringsum waren schon imposant. Der Himmel auch gut mit Wolken getränkt. Fototechnisch keine schlechten Bedingungen. Die erste Strecke hatten wir schneller als angegeben geschafft. Danach brauchten wir aber heute immer länger. Von der Knorr hüfte ging es zu Gatterl, eine ehemalige Grenzstation zu Österreich, wo heute noch der Grenzzaun zu sehen ist. Ein schöne Strecke dorthin, denn blick man zurück, sieht man nicht nur die Hütte, sondern auch die Zugspitze, die Seilbahnstation der Südseite. Sehr viele Wanderer waren unterwegs und wollten hinauf zur Zugspitze. Wir wollten es nicht und trotzdem mussten wir immer wieder Gruppen ausweichen, die uns entgegenkamen. Österreich, das nach dem Gatterl ja begann, wartete gleich mit Ketten auf, Ein kurzer Abschnitt des Abstieges war mit Eisenseilen gesichert. Gegen Ein Uhr, mit viel Verspätung kamen wir auf der Alm an und aßen zu Mittag und tranken, Österreich!, einen Almdudler. Das nächste Wegstück war nicht gut beschrieben oder die Schilderauszeichnungen verwendeten unsere Ziele nicht. Mit ein wenig Fragen fanden wir den Weg. Seebenalm angekommen, wieder ein Almdudler. Und wir riefen in der Coburgerhütte an und fragten nach, ob noch Plätze frei wären. Voll belegt. Das hieß eine Stunde zurück so ziemlich denselben Weg und absteigen ins Tal, um dort eine Unterkunft zu suchen. Mindestens 600 Höhermeter bergab. Toma jaulte vor Vergnügen, die Knie quieschten vor Glück und die Schulter schmerzte. Doch als wir ins Tal blicken konnten, wohin wir absteigen mussten, sahen wir auch eine Kabinenbahn! Und w schafften noch die letzte Gondel und unten im Tal den Bus nach Biberwier, wohin ich eigentlich über die Coburger Hütte gelangen wollte. Wir hätten dies aber heute nicht mehr geschafft. Dafür waren wir an der Seebenalm schon zu kaputt. Und der Wirt meinte der Weg sei mächtig anstrengend. Helfen hatte gerade gegen England gewonnen, als wir eintragen (oder die Übertragung war gerade zu Ende), Ich fragte im besten Hotel am Kirchplatz, dem Hotel zum Goldenen Löwen nach einem preiswerten Zimmer und wurde erhört. 48 Euro pro Person mit Frühstück und das 4 Gänge-Abendbrotmenü kostete noch einmal 14 Euro. Viel billiger war es auf der Hütte auch nicht. Dafür hatten wir eine WARME Dusche ganz für uns alleine, Ein Zimmer mit zwei blütenweiß bezogenen Betten, eine herrliche Sicht auf die Berge, WLAN (welch ein Frevel).
Tomas Schulter war ein wenig geschwollen und rot. Ich hoffe, es vergeht bis morgen. Sie hat schon gedroht, ich muss Ihren Rucksack übernehmen. Jetzt ist es dunkel und ich bin auch müde.


Bichlbächle

So genial, die Fantasie hätte es nicht geschafft, sich so einen Namen auszudenken. Bichlbächle. Naja oberhalb von Bichlbach ist halt der Bach nur ein Bächle.
Es regnet und wir sitzen gemütlich in unserem Zimmer.
Obwohl wir heute nur 7,5 Stunden gelaufen sind, hatten wir gegen 17.00 Uhr die Nase voll und fragten in Bichlebächle, im Restaurant Bergmadl, ich bin gespannt, ob man das im Internet findet, nach, nein nicht sofort, denn es war niemand da zum Fragen oder der gefragt werden wollte, ob es noch frei Zimmer hat. Sie hatte, die Wirtin, die schon etwas zittrig war, vielleicht so um die Achtzig Jahre alt aber die Wirtschaft souverän managte. Wir hatten gleich drei Wünsche, ein Zimmer, Abendbrot und einen Almdudler. Sie wurden uns alle erfüllt.
Toma hatte noch einen vierten und den vierten erfüllt der Teufel. Sie wollte warm Duschen. Wie das mit den Warmduschern so ist, sie lieben das warme Duschen und kommen nicht so schnell wieder aus der Duschkabine, obwohl ich schon fast nackt wartete, um auch zu Duschen.
Als ich nachschaute, stand ich in einem Bächle. Der Duschvorhang war nicht ganz zugezogen und das warme Duschwasser war im Zimmer.
Zum Abendbrot bestellten wir uns Kaiserschmarrn. Diese Entscheidung war mit Bedacht gewählt, denn die Wirtin hatte bestimmt schon Enkel und die lieben Kaiserschmarrn. Ja er war gut.
Jetzt sitzen wir in unserer Ferienwohnung (6 Schlafplätze!, Küche!) und bringen die Zeit rum bis zum Frühstück. Alles können wir nicht schlafen, denn Frühstück gibt es erst ab 8.30 Uhr (Und jetzt ist erst 19.30). Halb neun waren wir am zweiten Tag schon eine Stunde unterwegs. Heute ging es auch erst viertel nach Neun los, für Kenner Viertel Zehn. Es hatte gerade aufgehört zu regnen und Toma zog sich gleich regenfest an. 2 Stunden ging es fast ununterbrochen bergauf. Steil bergauf. 700 Höhenmeter. Unterwegs machte Toma mich auf eine Schnecke aufmerksam und sagt, sie träge ihr Haus mit sich. Antwort: Meine trägt ihren Rucksack. Als ich auf einer Bank auf sie wartete, rief sie mir entgegen. Die Bremsen, die pieken mich. Antwort: Meine … lässt mich warten Beim Aufstieg sahen wir einen Specht, besser noch hörten wir ihn. Am ersten Tag war es eine Wasseramsel, die in der Partnach nach Insekten jagte. Und gestern hörten wir, wie die Murmeltiere im Tal gleich nach dem Gatterl sich mit Pfiffen warnten, dass lästige Touristen die Ruhe stören. Wenn man aufmerksam durch die Natur streift, gibt es immer wieder Momente, die einen erfreuen. Wir schafften es bis zur Wolfratshauser Hütte etwas schneller als angegeben und belohnten uns mit einem leckeren Mittagessen und einem genialen Blick auf das gesamte Zugspitzmassiv. Die Wolfratshauser Hütte ist ein Tagesziel auf der via Alpina. Wir hätten hier also übernachten sollen, doch wir wollten noch weiter bis Bergwang, da eine Folgeetappe zu lang ist und wir die Übernachtungen bis dahin etwas schieben wollten.
Nach dem Mittagessen ging zum Sommerjöchle. Gehzeit 1Stunde 10 Minuten. Es wurden 2 Stunden. Wir stiegen erst in Richtung Gartner Alm ab und dann bestimmt noch einmal 500 Höhenmeter bis zum Jöchle bergauf. Der Aufstieg hat gezehrt an unseren Kräften. Dann ging es genauso steil bergab, bis zur Alm, nicht weniger ermüdend, die Alm aber leider nicht gewohnt (wir hatten uns schon auf einen Almdudler, Getränk, gefreut). Von hier schon abgekämpft auf Wegen, die von vielen Blumen gesäumt waren hinab nach Bichlbächle.
Bichlebächle, (dieses Wort hat noch einen Satz verdient), ist eine Ansammlung von einer Handvoll Häusern (also nicht mehr als 5) und liegt abseits des Touristenrummels, den es um das Zugspitzmassiv gibt.


Viel Strecke wenig Höhe

16.07.2018
Heute war ein Weitwandertag. Obwohl ich gestern noch gescherzt hatte, dass man soviel nicht schlafen kann, weckte uns unser Wecker pünktlich 8.00 Uhr. Wir hatten also mehr als 10 Stunden schlafend im Bett zugebracht. Helga unsere Wirtin hatte das Frühstück schon serviert und so schafften wir gerade so wieder 9.15 Uhr die herberge zu verlassen, nicht ohne davor noch ein Foto mit Helga Köpfle zu machen. Auch der Regen hatte pünktlich zu unserem Start aufgehört. Es ging bergab von Bichlebächle nach Bichlebach. Doch an der Kreuzung dorthin bogen wir nach Bergwang ab. Ein kleiner Aufstieg führte uns parallel zur Straße in das Bergdorf. Dort suchten wir die Information auf, um uns kundig zu machen, wie wir am besten zur Franz Luitpold Hütte kämen und wo, in welchem Ort dafür zu übernachten wäre. Leider wurden wir nicht geholfen. Die drei Frauen kannten nur ihr Gebiet, das Zugspitzgebiet. Hier grenzten aber mehrere touristische Regionen aneinander. Das Lechtal, das Tannheimer Tal, die Zugspitzregion und in Deutschland noch das Allgäu. Wir entschieden uns nach Weißenbach am Lech zu gehen und dort noch einmal zu fragen. Bis dahin waren es drei Stunden zu wandern, was wir auch gleich nach dem Whatsapp-Verkehr in Angriff nahmen. Wunderschönes Wanderwetter, noch nicht zu heiß, und des ging im wesentlichen bergab. Wir kamen an einem Stausee vorbei, an mehreren Wasserfällen, an einem Moor und liefen überwiegend auf Forststraßen. Dementsprechend schnell kamen wir auch voran, sodass wir noch vor 14 Uhr in Sinten waren um zu Mittag zu essen, doch der Gasthof hatte Ruhetag. Also hieß es noch bis Weißenbach aushalten und die 2,2 km Asphalt gehen. Im „Lamm“ aßen wir zu MIttag und fragten wieder nach dem Weg. Wir lernten eine neue Möglichkeit hinzu und zwar über die Landsberger Hütte und Tannheim. Nach einer kurzen Googlerecherche, erschien uns dies suboptimal. Wir entschieden uns für den beschriebenen Weg durch das Schwarzbachtal, sehr lang ohne bewirtschatete Hütten aber verständlicher. Um ein wenig Kilometer morgen zu sparen, entschieden wir uns in Lorchach zu übernachten und hängten an die 20 Kilometer bis nach Weißenbach noch einmal 5km dran. In Lorchach angekommen, stellten wir fest, dass es weder eine Unterkunft gab, noch einen Laden, noch ein Restaurant. Obwohl der Ort viel, viele Male größer war als Bichlebächle, wenn man bei Bichlebächele überhaupt von einem Ort sprechen konnte, denn die Wikipedia führt Bichlebächle nicht als Ort!!! Was nun. Zurück nach Weißenbach, no go, also weiter talaufwärts nach Stanzach. Aber jetzt nur noch mit dem Bus. 20 Minuen warten und schon saßen wir drin, 5 Minuten und wir waren in Stanzach. Im Hotel zur Post fragten wir, ob sie ein Zimmer frei hätten und sie hatten. Im Spar gegnüber kauften wir noch Getränke ein und fragten, ob einer den Weg zur Luitpold Hütte kannte. Der Inhaber kannte ihn, brachte gleich eine Karte und erklärte uns, wie wir über Vorder- und Hinterrohrbach dorthin gelangen. Bingo. Wir wechselten nun noch in das Föhrhof, ein Hotel desselben Inhabers wie das Hotel zur Post und hatten ein wunderbares Zimmer mit Halbpension – 5 Gänge zum Abendbroot!!! Ein (Alb)Traum um mal im Bergjargon zu bleiben.


Vom Lechtal in die Allgäuer Alpen

Jetzt habe ich eine dreiviertel Stunde gebraucht um meine Tastatur (Blue tooth) erneut zu koppeln.
Der Tag war heute sehr lang.
Obwohl wir eine Alternativroute zur Umgehung des Schwarzbachtal gefunden hatten, was für uns bedeutete, dass wir ausschlafen konnten, weil diese kürzer war und die Chefin unseres Hotels uns einen Transfer von Vorderhornbach nach Hinterhornbach organisiert hatte, kam alles anders als geplant. Also den ersten Bus verpassten wir nach Vorderhornbach, da das Kartenlesegerät in der Rezeption nicht funktionierte. Also eine Stunde warten. Da Vorderhornbach nach Aussage de Rezeption nur 2 km von Stanzach entfernt war, dachten wir, wir laufen uns schon mal warm. 2 km in 50 Minuten ist doch eine Kleinigkeit. Wir liefen immer den Lech entlang und als noch 25 Minuten verblieben, laden wir ein Schild, Vorderhornbach 1,5 km. Wir hatten aber schon mehr als 2,2 km zurückgelegt. Mist. Der Shuttlebus wird wohl nicht warten, also Tempo. Gut erwärmt, was ja Sinn des Warmlaufens ist, kamen wir am Gemeindehaus an. Das nur für uns bestellte Shuttle, das wegen der uns ausgestellten Aktivkarten kostenlos war, bezog gerade Stellung. Wir fuhren also in wenigen Minuten die 6-7 km entlang eines schönen Tales zu unserem Startpunkt. Gleich als wir ausstiegen, standen wir vor der Wanderkarte des Gebietes. Das hatte viel Erhellendes. Ich sah, wie wir gut einige Hundert Höhenmeter sparen konnten, indem wir nicht den Weg 421 sondern 431 über das Hornbachjoch gingen. Toma kam dies alles sehr suspekt vor und ich hatte zu tun, meine Autorität als Wanderleiter nicht zu verlieren. Es ging ein wunderschönes Tal erst allmählich dann richtig steil bergauf. Viele Blumen säumten unsere Schritte gen Himmel (Joch), doch auch auf der anderen Seite beim Abstieg. Kurz bevor es richtig steil wurde, sah Toma wenige Schritte vor uns ein Murmeltier. 900 Höhenmeter an einem Stück bis auf 2020 Meter über N.N. Doch es wr jeder Schritt wert. Jeder Blick zurück ins Tal und als wir weiter oben waren über die Berge wogen die Anstrengungen auf. Vom Joch aus kam noch die Aussicht nach Norden hinzu. Leider gab es unterwegs keine bewirtschaftete Hütten, sodass wir ohne Mittag blieben. Der Abstieg hatte einige ausgesetzte Stellen auf steilen Schotterflächen. Der gewählte Weg hatte den Charme, dass wir nicht auf das Prinz Luitpold Haus mussten, sondern direkt nach Oberstdorf vom Joch abstiegen. Kurz vor der Käsealm fing es an zu regnen. Wir nutzten die Regenpause uns zu stärken und zu erkundigen, wie weit es noch bis zum Ziel war. 3 Stunden Gehzeit standen uns noch bevor. 1, 5 bis zum Oythaus und von da konnte man mit dem Roller den Rest der Strecke fahren. Der Abstieg, das Rückgängigmachen der eher erklommenen Höhenmetern viel schon nicht mehr so leicht. Kurz vor der Rollerverleihstation, schwebte eine muh vom Himmel, am Seil befestigt, von einem Hubschrauber transportiert. Sie wurde aus den Bergen gerettet, da sie in einen Graben gefallen war, aus dem sie sich selbst nicht hatte befreien können. Aber nach deutschem Gesetz darf man Kadaver, und zudem wäre sie binnen kurzer Zeit geworden, keine 24 Stunden liegen lassen, wie uns die Experten erklärten.
Wir liehen uns also den Roller und düsten die restliche Strecke und die war nicht zu unterschätzen, nach Oberstdorf hinunter. Ich hatte meine Kamera auf dem Lenker montiert und beim Abstellen der Roller vergessen. Gemerkt habe ich das nach 15 Minuten, doch sie war noch da. Es war schon gut nach 6 und wir hatten noch kein Hotel. Aber mit booking.com und googlemaps fanden wir den Adler, wo wir auch noch ein Zimmer bekamen. Ziemlich erschöpft gingen wir zum Essen, sehr lecker. Also zwei Etappen auf eben Streich!


Von Adler zu Adler und dann doch zur Jägeralpe

Sie glühen gerade, die Berge, auf die wir aus unserem Fenster blicken. Es sind nun wirklich die letzten Strahlen, die die Sonne heute von sich gibt. Es war schön, schön heiß.
Der Wandertag begann, wie nun schon fast immer, 9.15 Uhr mit dem Abmarsch aus dem Hotel zum Bahnhof, wo sich auch der Busbahnhof befindet. Wir stiegen in den Bus nach Birgsau, um die Kilometer entlang / auf der Straße abzukürzen. Es war eine weise Entscheidung. In Birgsau angekommen, nahmen wir den falschen Weg, besser wir sahen die Brücke nicht, die über den Fluss ging und wähnten sie vor uns, aber man hätte wohl ein wenig
zurückgehen müssen. Egal, es gab viele Wege zur Mindelheimer Hütte, aber alle elend lang. Die Hütte lag rechts vom Weg in den Bergen. Wir leiden und liefen und die Zeit zur Hütte wurde nicht weniger, sondern blieb gleich oder wurde sogar mehr. Das war schon unheimlich. Es war ein asphaltierter Weg, den wir in der Sonne liefen, zügig und gut Kilometer machend. Gegen Zwölf, wir hatten schon etliche Kilometer gemacht, rasteten wir an der „Schwarzhütte“ und nahmen eine Schmalzstulle zu uns, natürlich auch reichlich Flüssigkeit, denn es war warm. Wir füllten die Flaschen noch einmal auf, doch nicht den Wassersack, da ja noch jede Menge Hütten kommen sollten, bzw. selbst bis zum Ziel uns der Weg nicht ewig erschien. Lange liefen wir auf dem bequemen Weg, der auch noch gut war, als der Asphalt aufhörte und ließen uns ständig von Radfahren überholen. Eine schon etwas ältere Frau fiel direkt vor mir vom Rad und lag a wie ein Maikäfer, da sie den falschen Gang gewählt hatte und das E-Bike wohl nicht das machte, was die Frau wollte. Es ging aber alles gut. Der Mann kam zurück, als ich ihr aufgeholfen hatte und erklärte ihr, was sie falsch gemacht hatte. Wir haben sie nicht wieder gesehen, wahrscheinlich sind sie umgekehrt. Ja die E-Bikes sind schon eine geniale Erfindung.
Wir wanderten genüsslich durch die sonnendurchflutete Natur und freuten uns schon über schattige Abschnitte und ein laues Lüftchen. Irgendwann war dann aber Schluss mit geradeaus oder moderaten Anstiegen, es ging steil nach oben. Jetzt war die Sonne nur noch lästig und irgendwann nahm ich auch das angebotene Tuch von Toma an und wickelte es mir als Sonnenschutz um den Kopf. (Bilder habt Ihr ja gesehen). Der Durst lehrte die kleinen Flaschen rasch. Die Almhütten oder anderen Hütten waren entweder zu, verkauften nichts oder nicht bewirtschaftet. Also es gab keinen Nachschub zum Trinken und die Vorräte waren auf ein par Schluck Cola geschrumpft. Wir waren schon fast ganz oben, und hatten einen wahrhaft unglaublichen Blick auf die Berge um uns und Täler unter uns. Auch boten die Wiesen wieder alle Blumen auf, die man sich denken kann. (gestern habe ich übrigens eine Orchidee gesehen – und fotografiert).
Doch der Durst bekam langsam Oberhand in meinem Denken. Als der letzte Schluck getrunken war, der Durst aber nicht halbwegs gestillt, sann das Gehirn nach Möglichkeiten, das Bedürfnis zu befriedigen. Da hörten sich schon mal die Grashüpfer wie Rasensprenger an und Tomas Vorräte mussten herhalten. Nach zwei Traubenzucker ging es besser. Das Gehirn war nicht nur ausgetrocknet, sondern auch noch unterversorgt mit Kohlenhydraten. An der Widdersteinhütte, konnten wir unseren Durst dann löschen. Wir hatten sie fast pünktlich erreicht, eine knappe halbe Stunde Laufzeit nur mehr, aber diese halbe Stunde mehr, war schon eine Herausforderung. Da unser Übernachtungswunsch nicht erfüllt werden konnte, telefonierte der Wirt mit dem Gasthof Adler im Tal (nicht unserem Adler in Oberstdorf) und sie hatten noch ein Zimmer für uns. 20 Minuten sei es
bis nach unten, meinte der Wirt, es wurde eine Stunde. Der Adler hatte ein Zimmer für uns aber nichts zu Essen. Das nächste Restaurant wäre im 4 Sterne Hotel 20 Minuten bergabwärts. Das wollten wir uns nicht antun, zum Abendbrot hin und zurück. Ein Anruf und wir hatten ein Zimmer in der Jägeralpe, nur mussten wir jetzt da auch noch hinlaufen. Es nahm keine Ende heute. Nach 31 km hatten wir es gegen 18.30 Uhr endlich geschafft.
Wäsche waschen, selber waschen, dinieren (war ja eine noble Herberge), Tagebuch, Ende.


Einfach die Berge hochlatschen

Ausschlafen im 4 Sterne Hotel, frühstücken wie der König von Bayern, genießen der Natur, und latschen, damit wir vorwärtskommen, kamen..
Heutiger Naturhöhepunkt – eine junge Kreuzotter und der Autofokus hat beim Filmen versagt. Wie so oft Freud und Leid liegen eng beieinander.
Heute schafften wir es noch länger zu bummeln, bis wir auf der Strecke waren. Toma hatte dann auch noch die Stöcke vergessen und ich hatte das in den Beinen, was woanders nicht im Kopf war.
Es ging in der Sonne bergauf. Der Wetterbericht hatte nur Sonne vorausgesagt. Hätte ich auch getan, als ich heute Morgen aus dem Fenster schaute, denn es war keine Wolke am Himmel. Bei solchem Wetter denke ich immer an Alexander von Humboldt und mache mir meine Gedanken, wie er auf die Idee kam, dass mit 100 Höhenmetern, die Temperatur abnimmt. Ich weiß auch nicht, wie sie das gemessen haben. Denn ich trete mal den Gegenbeweis an: 9.00 Uhr bewegen wir uns nach oben. Am Startpunkt ist es 25 °C. Wir bewegen uns 100 Höhenmeter aufwärts. Nach 100 Höhenmetern sind 60 Minuten vergangen. Die Sonne steht höher am Horizont und es sind 2 Grad wärmer als 9.00 Uhr. Der Gradient ist also nicht negativ sondern positiv. Hinzu kommt, dass je niedriger wir in den Bergen unterwegs sind, umso mehr Wald gibt es. Im Wald ist viel Schatten und im Schatten ist es kühler als in der Sonne, die höher erbarmungslos auf einen herabbrennt. Dort gibt es keine Möglichkeit sich vor den Strahlen zu verstecken. Man muss die Wärme absorbieren, die von dem Fixstern kommt. Jetzt zurück zu Humboldt. Allein kann er seine Messungen nicht gemacht haben. Es bedarf mindestens zweier Personen, die ein Thermometer, ein Barometer und ein Chronometer haben und gleichzeitig ihre Messungen notieren.
Also wenn die Gehirnwindungen zu viel von der Wärme aufgenommen haben, sondern sie so etwas ab.
Es ging bergauf, moderat, dann ein wenig bergab zum Körbesee, dem schönsten Flecken Österreichs im Jahre 2017 (staatlich zertifiziert). In diesem Jahr schon nicht mehr? Für uns war es wirklich ein schöner Platz. Es gab alles, Almdudler, Schiwasser, eine Toilette, Kaffee, Kuchen, …Ein See, Wasser, Wiesen, Blumen, Berge, Steine, Himmel, mit Fotografierwolken und eine Bank.
Von dort weiter bergab mit einem überwältigenden Blick ins Tal auf die Passstraße, wie sie sich den Hang hochschraubte und auf ihr die Oldtimer und Motorradcruiser, die Cabriolets mit den reifen alten Damen und Herren, der Postbus, den wir hätten auch nehmen können, darüber aber nicht trauerten.
Die Hütte ist jetzt voll. Jung und alt gemischt. Laut. Toma malt und mir fällt jetzt noch ein, dass wir nach einer Stunde in Schröcken waren, dort zu Mittag aßen,
an einem Funpark vorbeikamen, wo sich die Leute durch die Lüfte schwangen, an Seilen, mit Karabinern. Für die junge Generation muss es Geschwindigkeit sein, Adrenalinausschüttung, damit das Leben Spaß macht. Für uns Schweiß, Knieschmerzen, Erschöpfung, Krämpfe, Muskelkater, Durst,
Es ging noch eine Weile bergab, dann begann der Aufstieg. Der ist immer gut, wenn er den Tag beendet. Gut 700 Meter bergauf. Als Bonus ging es auf einer Forststraße nach oben. Stetig, positiv denken, steil, im Schatten, wir waren ja noch weit unten, oben dann in der Abendsonne, die immer noch wärmer war als der Schatten 300 Höhenmeter tiefer. Der Höhenmesser arbeitete zuverlässig (ich habe übrigens ein Thermometer und ein Barometer, gestürzt durch Gps-Messung für die Höhe alles an meiner Hand) Hätte Humboldt absolut nichts genutzt, er hatte nämlich keine Steckdose zum Aufladen. Nach gut 700 Metern sahen wir die Hütte vor uns. Und auf den Wiesen, die uns noch von der Hütte trennten wunderschönes Wollgras. Wollgras macht sich immer gut auf Fotos. Warum gefällt uns dies so gut?
Wir waren schon zu spät zum Abendbrot. Klamotten wechseln, 3 Gänge-Menü schlemmen, und nicht daran denken, dass wir Lager haben. Ein ziemlicher Abstieg nach dem anstrengenden Aufstieg vom 4 Sternehotel zum 8-Bettzimmer, Matratze 20 cm über dem Fußboden und noch eine Etage über uns (die aber nicht belegt zu sein scheint). Noch 40 Minuten und die Nacht geht los.


Am Freitag nach Sonntag

Es ist nicht der Freund Freitag, der uns in der Einöde der Berge begegnet ist, es ist Sonntag, das uns am heutigen Freitag aufgenommen hat als Gäste im Hotel Krone.
Aber erst einmal haben wir über die vorherige Nacht zu berichten, eine jener Erfahrungen, die wir schon hatten, aber nicht noch einmal gebraucht hätten. 12 Mann Lager, Geschnarsche, Unruhe, Schlaflosigkeit und früh dann müde zeitig aus dem Bett. Da ich ja kein Frühaufsteher bin, ging der Tag für mich ziemlich nervig los. Doch um 7 Uhr gab es Frühstück. Es waren eh schon alle unten im Frühstücksraum, Widerstand völlig zwecklos. Wir gingen auch zeitig los, in Richtung Unterboden, ein Ortsteil von Sonntag und ich dachte, dass wir dort heute Mittagessen würden. Bis zur ersten Alm ging es problemlos bergab, doch beim Abstieg bis zur Straße, zum Weg, nach Unterboden gab es schon einige unschöne Momente, ausgesetzte Stellen an steilen Schuttflächen. Überwunden. Es war wieder heiß und die Windungen (nicht der Heizspirale, sondern die grauen) nahmen Fahrt bzw. das Thema von gestern auf. Wird es nun wärmer, wenn es bergab geht? Warum sollen die Sonnenstrahlen mehr Wärme abgeben, wenn sie bereits einen längeren Weg zurückgelegt hatten (also Unten)? Noch ein weiteres Argument sprach dagegen: Kalte Luft ist schwerer als warme Luft, warme Luft steigt auf nach oben und kalte sinkt ab nach unten.
Dann begann die Ausschilderung nach Unterboden. Die angegebenen Zeiten hatte die Güte der gerade dargebrachten Logik mit der Temperatur. Je weiter wir gingen, je näher wir also Unterboden kamen, desto länger wurden die angegebenen Gehzeiten. Dann waren immer zwei Schilder an den Wegweisern angebracht, zwei Schilder nach Unterboden, in unterschiedliche Richtungen zeigend, mit unterschiedlichen Gehzeiten darauf. Ja, Schuld war ich. Ich nahm sie auf mich, bis Toma sagte sie brauche eine Pause und sich an der Weggabelung auf den Weg setzte. Wir mampften einen Riegel, der nicht unseren Hunger, nicht unser Leid stillte, denn Mittag würden wir heute nicht essen. Mit der Ausschilderung von Sonntag wiederholte sich das Spiel.
Aber dann war einmal Sonntag Kirche (nicht der Sonntagsgottesdienst) ausgeschildert und nichts konnte uns mehr von diesem Weg abbringen, ja warum wohl nicht? Wir sahen sie!
Gleich neben der Kirche befindet sich das Hotel Krone. Wie eben überall, damit man die Predigt herunterspülen kann. Wir nahmen das Zimmer, fragten nicht mal nach dem Preis, Toma wollte Ruhetag. 16.00 Uhr öffnete das Heimat-Museum Walsertal. Das Museum war im Nachbargebäude. Wir betraten es und hinter uns fielen die ersten Tropfen, die sich dann zu einem Platzregen ausweiteten und der zum Abendbrot, das wir auf der überdachten Terrasse des Hotels zu uns nahmen, in ein heftiges Gewitter überging. Ein Gewitter ist schon schön in den Bergen. Man spürt die Urgewalt deutlicher und der Donner kommt aus vielfaches Echo von den Bergen zurück, die Nebelfetzen / Wolken ziehen durchs Tal entlang der Hänge, man sitzt da, wie vor einem Kaminfeuer und es wird nicht langweilig. Essen war auch gut.


Ausruhetag

21.07.2018 Samstag in Sonntag
Nichts tun.
Nicht aus dem Haus gehen.
Entspannen vom Entspannen.
Saunieren, Lunchieren.
Soweit der Tagesbericht um 13.45 Uhr.
Nur das Gehirn bekommt man nicht ruhig gestellt. Denn in der Sauna war es auf der oberen Bank am heißesten und unten war die kältere Luft. Da hat man schon Ausruhetag und schwitzt trotzdem. Nur das die Kleidung dabei nicht nass und stinkig wird. Wir haben ausgeschlafen und uns dann der Landschaft erfreut, die noch die selbe war, aus dem Fenster blickend, wie gestern. Die Wolken waberten noch immer durch das Tal, wie als würden zarte Wattebäuche sich über die Tannen hangeln und plötzlich auflösen, nachdem sie behutsam auseinander gezerrt wurden.
Jetzt scheint sogar die Sonne und ich muss die Augen zusammenkneifen, wenn ich schreibe. Bis Montag ist aber noch Regen angesagt, von dem wir heute aber nichts gespürt haben. Der Vormittag verging mit Nichtstun wesentlich schneller als die Vormittage mit Wandern, obwohl wir keinen Schritt in Richtung Grindelwald getan haben. Physikalisch ausgedrückt dt/ds ist heute größer als sonst. (Und geht in unserem Falle sogar gegen unendlich.) Das wäre demzufolge die Formel für die Entschleunigung. Warum bekommt man dies nicht in Physik gelehrt?
Da spricht man immer von Geschwindigkeit. Apropos Physik.
Das mit der Temperaturdifferenz am Berg lässt sich wohl nur erklären, wenn man bedenkt, dass zwar die Sonne die Quelle der Wärme an sich ist, doch auf der Erde, weit weg von der Sonne, die Erde wärmer ist als die Umgebung der Erde. Und je näher ich der Umgebung der Erde komme (also weiter weg von der Erde), desto kälter wird es. Bereits in Flughöhe von 10 km (was sind für uns 10 km, geradezu lächerlich, die machen wir an jedem Wandertag) ist die Temperatur bei minus 40 °C (Jet hat einen Stockpunkt von -42°C). Wendet man jetzt den Dreisatz an (als Ingenieur setzt man erst mal eine linearen Abhängigkeit voraus) und geht von 23°C bei 1000 Metern über N.N. aus (das ist die gegenwärtige Temperatur in Sonntag, was knapp unter 1000 Meter hoch liegt), dann sind es bei 2000 Metern über N.N. genau 16°C. Bingo. Naja, Humboldt ist nie mit dem Flieger geflogen. Ansonsten hätte er sich die aufwendigen Forschungen sparen können.
Toma steht an der Balkonbrüstung und zeichnet oder malt, ist künstlerisch kreativ tätig. Es gibt auch etwas abzumalen, die saftigen Almwiesen mit Gehöften darauf, die eingebettet in Waldgebieten liegen, die das Walsertal wieder schmücken, nachdem lange Zeit ein extensiver Holzverbrauch zu kahlen Hängen geführt hatte, der zur Gefahr für die Menschen wurde. Lawinen und Bergrutsche verursachten noch im vergangenen Jahrhundert schwere Schäden und Menschenopfer.
(Haben wir gestern im Museum gelernt.)
Unser Hotel ist ganz öko. Vor zwei Jahren völlig renoviert, die Wände aus Lehm oder mit Lehm verputzt (auch in unserem Zimmer), die Außenwände und das Dach mit hunderttausenden Holzschindeln bedeckt, wobei verziert hier wohl besser passen würde. Wie uns gestern eine Architektin und ein Zimmermann (ein Pärchen) beim Abendessen erklärt haben, ist die Vorarlberg – Region ganz groß in der Verwendung von Holz beim Bauen, auch größerer Objekte.
Im Hotel sind die Böden aus Eichenholz, die Betten aus Zirbelholz, die Möbel aus ???-Holz, und jetzt regnet es.
Genug abgesondert. Jetzt muss ich mich wieder ausruhen.

In Sonntag am Sonntag kein Sonnentag

Ruhetag ist gut, doch nur Bewegung bringt uns vorwärts.
Ausgeruht, voller Tatendrang begannen wir den 10. Tag. Von Sonntag ging es das Walsertal hinab. Garsella, Blons (wo wir einen Frühschoppen der Kirchgänger sahen, die Frauen waren bereits am Herd und bereiteten das Mittagessen zu), St. Gerold immer den Walserweg entlang, der mit via Alpina zusammenfiel. Pünktlich zum Mittagessen waren wir in St. Gerold, einer Propstei (muss ich in der Wikipedia nachschauen, was das genau ist), aßen zu Mittag und wollten weitergehen, als es zu regnen begann. Die Regensachen kamen zum ersten Mal zum Einsatz. Es ging bergab, was es auch sollte, aber dann schienen wir zurück zu gehen, zurück, wo wir hergekommen waren. Und nach 45 Minuten waren wir an einer Weggabelung, an der wir schon einmal waren. Wir waren einen Kreis gelaufen. Der Kreis hatte sogar einen Namen, Weg der Sinne. Für uns war er ziemlich sinnfrei, und lässt mich zweifeln an meiner Eingangsbemerkung. Wir versuchten es noch einmal und fanden den richtigen Weg nach Thüringen. Stopp, jetzt bin ich nicht von Sinnen, hier heißt eine Stadt Thüringen und der Weg dahin ging bergab vorbei an Wasserfällen, durch dichten Wald und war recht kurzweilig.
Nun konnten wir hier den Tag ausklingen lassen, was uns nicht sehr vielversprechend erschien oder mit dem Bus nach Feldkirch fahren, denn auf der Ebene neben Fernverkehrsstraßen wandern, ist nicht so unser Ding.
Der Bus fuhr in 4 Minuten und traf für uns die Entscheidung. In Feldkirch stiegen wir in der Stadtmitte im Hotel Post ab. Brachten Körper und Hülle in Ordnung und aßen beim Italiener.
Danach noch ein Eis und danach noch ein wenig Fotografieren, blaue Stunde und so.


Gafadura

Ich sitze satt vor der Hütte Gafadura (im Schatten, weil ich es in der Sonne nicht ausgehalten habe) und schaue auf die drei Schwestern, einen Klettersteig und drei Gipfel, die wie die Sage erzählt, 3 versteinerte Frauen sind, die einer Hexe nichts abgegeben haben, als sie Beeren sammelten. Na und die Hexe hat sich die Mühe gemacht, sie zu versteinern. Sieht imposant aus, wir werden das Massiv morgen aber umgehen.
Heute also wieder Lager, nach dem etwas muffigem Hotel „Post“ in Feldkirchen. Duschen gibt es auf der Hütte nicht.
Nachdem opulenten Essen, pikante Rösti mit Ei, Schinken…ist mein ganzes Blut in der Magengegend und mein Gehirn befiehlt schlafen, nicht denken.
Es regnete heute schon vor dem Frühstück und danach immer noch. Aber irgendwann mussten wir ja los gehen, also packten wir die Regensachen aus und warfen sie uns über, zumindest ich, da ich nur einen Regenumhang hatte. In wirklich strömenden Regen ging es nach Amerlügen und bereits da hatten wir uns ein wenig verlaufen. Von Amerlügen war es noch einmal 1,25 Stunden bis zur Feldkirchner Hütte, in den 75 Minuten machten wir ordentlich Höhenmeter. Es regnete immer noch leicht, doch da wir im Wald gingen, packte ich das Regencape wieder weg, Toma ging noch weiter in ihren Regensachen.
Gut durchgeschwitzt, nass, kamen wir an der Hütte an. Mittagszeit – Mittag. Von hier waren es noch zwei Stunden bis zum Ziel. Der Regen hatte aufgehört und die Wolken rissen immer wieder auf, sodass man manchmal ins Tal blicken konnte, oder die Berge sich kurz zeigten oder die Hänge gegenüber. Es war ein Forstweg, der uns bis zur Alpe führte, wo wir eben Almendudler tranken.
Dann ging es noch einmal eine halbe Stunde auf den Sattel und hier überschritten wir endgültig die Grenze von Österreich nach Lichtenstein.
Abstieg auf der lichtensteiner Seite und kurz vor der Hütte
übermannten uns die Zweifel, ob wir richtig seien. Wir waren es. Nach 100 Meter sahen wir die Hütte.

Vaduz

12. Wandertag – 24.07.2018

Zur Gafadura Hütte gibt es noch Einiges zu ergänzen. Wir dachten, als wir ankamen, dass die Tagestouristen schon wieder weg wären und wir nun einen ruhigen Abend hätten mit den 4 Familien / Pärchen, die sich im Lager eingerichtet hatten. Aber zur Abendbrotzeit kamen von unten im neue Wanderer, Radfahrer, mit Hund, mit Kindern zum Teil. Sie alle wollten nicht auf der Gafadura übernachten, sondern nur zu Abend essen oder ein Bier trinken, hallo zu den Wirtsleuten sagen… Es herrschte reger Betrieb. Ich fragte die Wirtin, ob das normal sei, dass die Leute nach der Arbeit, einfach mitten in der Woche, auf der Hütte vorbeischauten. Und sie bestätigte mir dies. Da wir heute den ABSTIEG selbst gemacht hatten, es sind etwa 600 Höhenmeter bis Planken, und nun wissen, dass dies schon sehr anstrengend war, verstehen wir noch weniger, wie man sich nach der Arbeit eine solche Tour antuen kann. Ganz extrem sind die Radfahrer. Sie strampeln von Schaan hinauf, ungefähr 1000 Höhenmeter.
Vielleicht gibt es in Lichtenstein nicht so viel am Abend zu tun. Oder die Menschen sind alle sehr sportlich, wirklich sehr.
Die Nacht war extrem leise. In einem Lager habe ich so etwas noch nie erlebt. Kein Mucks, geschweige denn ein Schnarcher, der die Nachtruhe gestört hätte. Als ich in der Nacht auf die Toilette musste, wir hatten wohl doch z viel getrunken, schaue ich natürlich auch vor die Hütte und die Milchstraße war in ihrer ganzen Pracht zu sehen. Die Kraft den Foto zu holen hatte ich nicht. Aber am Abend habe ich einige Aufnahmen vom Rheintal gemacht.
Heute 8 Uhr frühstücken und 9.00 Uhr loswandern. Der Originalweg via Alpina geht über den 3 – Schwestern-
Steig. Wir ließen uns von der Wirtin zeigen, wie man den Klettersteig umgehen kann, was wir dann auch taten. Das Wetter war hochsommerlich heiß. Als wir auf den Weg trafen, der von der Rückseite (entgegengesetzten Seite) zu den drei Schwestern ging, waren wir am Sattel angelangt. Von hier eröffnete sich wirklich ein umwerfender Blick in die Tiefe auf das Rheintal.
Von hier ging es auch steil bergauf zum Garsellikopf, über den nun alle Wege führten. Schon beim Aufstieg gab es etliche Seile zur Sicherung und der Blick nach unten bei den Seilen war mir auch ungeheuerlich. Ich wollte schon umkehren, ließ mich aber überreden von Toma bis auf den Gipfel zu gehen. Der Blick von dort oben war einfach der helle Wahnsinn. Ein unglaubliches Panorama nach allen Seiten tat sich auf. Doch der Abstieg schien noch gefährlicher, risikoreicher zu sein als unser Aufstieg, was auch gerade den Gipfel erreichende junge Männer bestätigten. Mir war schon höhenmäßig schlecht und Schiss hatte ich auch und die Pause mit Butterbrot brachte auch eine Besserung, sodass ich entschied wir gehen wieder dahin, wo wir hergekommen waren. Also Abstieg, der ja immer beschwerlicher ist als der Aufstieg zumindest in den Kletterpassagen, aber als die Kletterpassagen dann vorbei waren, ging es mir schon besser. Wir liefen also zurück zur Gafadura Hütte, tranken etwas und stiegen dann ins Tal ab. 600 Höhenmeter die auf die Beine gingen, bei Toma auf die Knie. Und uns kamen wieder Menschen entgegen, die noch schnell einen Abstecher auf die Hütte machen wollten, just for fun.
Planken ist ein wunderschöner Ort im Fürstentum. Von hier fährt auch ein Bus bis zur Hauptstraße, also der Straße, die durch Lichtenstein den Transitverkehr bedient.
Wir warteten auf den Bus, denn irgendwie waren wir kaputt.
In Schaan stiegen wir in den Bus nach Vaduz, der nach nicht einmal 5 Minuten weiter fuhr. Vaduz – zuerst in die Touristeninformation und nach einer Unterkunft fragen. Hotel in Stadtmitte 430 Franken. Doch das nette Mädchen fand im Hotel Gießen noch eine preiswerte Alternative für 130. (Euro oder Franken erfahren wir morgen früh)

Leckeres Abendbrot im Gasthof Au, der keine 100 Meter vom Hotel entfernt lag. Kaiserschmarren mit Vanille Eis, Marillen, Rosinen, Puderzucker und lecker.

Sachen waschen und die doch noch überflüssigen aussortieren, mit dem Gedanken, morgen auf der Post ein Päckchen abzuschicken, an uns, mit Übergewicht.




Ein Tag, zwei Etappen und das ganz entspannt.

Nach dem gestrigen recht anstrengenden Tag folgte heute eine Doppeletappe mit Erholungscharakter. Wir hatten doch einige Sachen identifiziert, die wir noch nicht gebraucht hatten und die wir wahrscheinlich nicht brauchen würden. Bei mir waren dies vor allem Wäsche, die ich zu viel mithatte. Außerdem sieht die weitere Route keine Übernachtungen mehr auf einer Hütte vor, sodass wir den Hüttenschlafsack auch nach Hause schicken konnten. Es kamen etwas über 3 Kilo zusammen, die unsere Rucksäcke nicht mehr füllen würden. Wir baten im Hotel um einen Karton und gingen als erstes zur zentralen Post in Lichtenstein. Es ist eines der größten Gebäude im Stadtzentrum. Doch obwohl es ein ziemlich moderner Bau ist, fühlte ich mich versetzt in die Vergangenheit. 30 Kilometer entfernt von der Grenze zu Deutschland mitten in Europa, mussten wir eine Zollerklärung ausfüllen, mit Angabe des Inhaltes und Wertes der Sachen im Paket und die 3 Kilo kosteten dann auch noch 42 Schweizer Franken. Eine neue alte Erfahrung. Die neuen Errungenschaften der EU lassen einen die umständliche Vergangenheit ganz schnell vergessen.
Danach zog ich noch 1000 Franken am Bankomaten und wir schauten uns Vaduz Downtown / Innenstadt (ha, ha, ha…) an, denn Vaduz ist ja ein halbes Dorf. Keinen Kilometer vom Zentrum entfernt ist schon Landwirtschaft. Beide hatten wir Vaduz in keiner besonders guten Erinnerung. Bei unserem letzten Kurzaufenthalt (vielleicht eine Stunde) in 2004 kam es uns sehr langweilig vor. Heute fanden wir es recht ansprechend. Nur die Einwohner sahen anders aus. Alle recht asiatisch, chinesisch. Die Liechtensteiner gingen nicht, sie fuhren, in Porsches, den neuesten SUV-Modellen der Oberklasse… Doch das schöne Wetter ließ uns Vaduz in einem freundlichem Licht, in guter Erinnerung zurück.
Den heutigen Tag hätten wir laut Beschreibung mit der Flachetappe von Vaduz nach Sagrans zubringen sollen. Links und rechts zwar Berge (links von Liechtenstein, rechts von der Schweiz) aber gegangen wären wir auf Straßen und Fuß-Wegen, die wenig mit Bergen zu tun haben. Also fuhren wir mit dem Bus nach Sagrans. Die Etappe von Sagrans (etwa auf 500 m ü..N.N liegend) nach Weißtannen, geht auch zum Großteil auf der Straße oder neben der Straße entlang. Also stiegen wir um in Sagran in den Bus nach Weißtannen, der Endstation im Weißtannental. Hier suchten wir uns ein Hotel und fanden es im Hotel Gemse, aßen zu Mittag und brachten unsere Sachen in Ordnung, fotografierten dieses wunderschöne Örtchen und statteten dem Museum einen Besuch ab. Eigentlich war ich ein wenig skeptisch, da wir ja gerade in Sonntag im Museum waren und dies ja keine Kulturwanderung war. Aber, das Museum bzw. die Vorstellung im Museum war ganz toll. Im obersten Geschoß des alten Hauses lief eine Show/Performance ab, bei der Raum eine Bühne wurde, gespickt mit Videosequenzen, sich öffnenden Schränken und Koffern, selbst laufenden Schuhen, fliegenden Hexen und Geschichten des Dorfes aus der Vergangenheit gemixt in die Erkundung des dunklen Raumes mit einer „Taschenlampe“ und Stimmen, die von überall her aus der Dunkelheit kamen. Sehr kurzweilige 30 Minuten.
Jetzt, nach dem Abendessen malt Toma und ich schrieb den Tagesbericht.
25. 07.2018 13. Wandertag


Eine lange Etappe nach Elm

Nachdem wir ja gestern mit dem Bus ein wenig gemogelt hatten, und uns schnell durch das Flachland geschlichen haben, ging es heute auf eine 9.5 Stunden Etappe. 22 Kilometer, 1200 m hoch und dasselbe wieder hinunter.
Tag begann sonnig und wir füllten unsere Wasservorräte maximal auf. Das Weißtannental wurde vor langer Zeit mit Steinböcken besiedelt (ich glaube es waren 4 Stück für heute umgerechnet 30000 Franken) und deshalb gab es hier entlang unseres Weges einen Lehrpfad zum Steinbock. Wir kamen recht gut voran und noch einer Stunde waren wir schon an der ersten Hütte und ließen uns einen Piralli schmecken. Doch danach ging es schon leicht bergauf, vorbei an übenden Schweizer Soldaten, pfeifenden Murmeltieren und innere mit Blick auf die hohen Berge am Talabschluss. Als es dann wirklich steil wurde und die Sonne schon richtig vom Firmament brannte.
Auf halber Höhe trafen wir auf einen einsamen Wanderer, der wundersamer Weise langsamer ging als wir. Piano. Andante. Das Tal, das Weißtannental, hat viele Bäche

Ende Teil 1 (Ich war zu müde, um den ganzen Bericht am selben Abend zu schreiben)

die von der Seite, von den Hängen herunterplätscherten oder schossen. Der Weg im Tal ist lang. Wenn der Anstieg auch ziemlich stetig ist, sind über 1200 Höhenmeter doch eine ganz schöne Herausforderung, doch die wilde Natur entschädigte uns für die Anstrengungen, besonders durch die vielen kleinen Wasserfälle des Hauptbaches oder von den Hängen.
Bevor wir auf der Fooalpe eintrafen ging es noch einmal ein steiles Stück bergauf, viele Stufen aber gut ausgebaut. Der Weg heute stellte keine Schwierigkeit dar im Sinne von alpinen Gefahren.
Auf der Fooalpe gab es ein Getränkedepot (ein Kasten, in dem Getränke standen mit einem Becher für einen selbst wählbaren Beitrag / Betrag, den man dürr die Getränke bezahlen mochte). Es gab auch Rivella. Wir griffen tief in die Tasche und gaben 5 Franken. Hier trafen wir zum ersten Mal auf Wanderer, die die selbe Strecke liefen, wie wir. Sie kamen aus Kalifornien (ein Paar, sie 71, er 70) und aus Atlanta (er, 61).
Von der Hütte um Pass war es nicht mehr so anstrengend. Gestärkt vom Mittagessen ging es gut voran. Nur eine Kuhherde hielt uns ein wenig auf. Vielleicht waren die Kühe auch Nur neugierig, aber wir wussten es nicht genau einzuschätzen und warteten erst ab und umgingen die Kühe in respektvollem Abstand. Der Pass eröffnete einen traumhaften Blick auf die Alpen des Elmtales. Jetzt hieß es nur noch 1200 Höhenmeter wieder absteigen. Es war nicht übermäßig steil, der Weg war auch gangbar, aber es waren 1200 Höhenmeter, die erst einmal gegangen werden wollten. Etwas weiter unten, als wir schon in den Tannenwald eintauchten, nachdem wir noch ein Murmeltier gesehen hatten, sah man an den linken Hängen, die das Tal begrenzten riesige Wasserfälle, die zu Tale stürzten. Der Abstieg wollte nicht enden. Bestimmt war die Natur bestaunenswert, doch die Beine, besonders die Füße und bei Toma die Knie schmerzten.
Dann verließ der Weg auch noch die Straße und das angenehme Gehen, zumindest für mich, war zu Ende. Ob die Entfernungseinsparung die Strapazen des steinigen Weges kompensiert haben wir werden es nie erfahren. Toma kompensierte ihre Knieschmerzen mit öfteren Stopps zur Nahrungsaufnahme (Himbeeren, Walderdbeeren, mitunter auch Brombeeren).
Gegen 19.00 Uhr erreichten wir Elm und bekamen noch ein Zimmer im Elmerhof, wo wir gemeinsam mit den Amerikanern zu Abend aßen. Und dass ziemlich erschöpft, alle.


15. Wandertag 27.07.2018

Es ist schon wichtig sich manchmal zu erinnern, welchen Tag wir heute haben, sonst kann man schnell durcheinander kommen. Die heutige Etappe hatte noch mehr zu bieten an Kilometern und Höhenmetern (sowohl runter als auch rauf) als die gestrige. Angegebene Gehzeit, das ist die Zeit in der man geht und nicht steht (oder sitzt) 9.30 Uhr. Aber schon beim Einchecken gestern Abend ins Hotel empfahl der Wirt uns eine Short-Cut, die Fahrt mit dem Bus bis nach Oberebs. Wir alle, also 3 Amerikaner und wir, nahmen die Anregung dankend an. Wir blieben sogar im Bus sitzen, als der Fahrer die letzte Haltestelle im Rückwärtsgang bewältigte, da es oben auf der Alp keine Wendemöglichkeit mehr gab. Es ging schonend bergauf, die ersten 400-500 Meter fielen mir leicht. Es gab ein kleines „BUT-Aber“. Kurz nach Beginn unseres Aufstieges trafen wir einen Schweizer Armeeangehörigen und fühlten uns besonders sicher. Dann kam aber, wie schon bei unserer ersten Tour über die Alpen en wenig Afghanistan-Feeling auf. Die Schweizer ballerten im Tal herum. Maschinengewehrfeuer und auch schwere Waffen dröhnten durch das Tal und die Berge dröhnten zurück.
Als dann auch noch zwei Kampfflieger über unsere Köpfe hinweg jagten, dabei halbe Looping drehten (sie waren sehr schnell wieder weg), fragte ich mich dann doch, ob die Schweiz soviel Geld ausgibt, damit junge (oder auch ältere) Männer mit Waffen spielen dürfen oder welcher der Nachbarn der Schweiz ein Interesse hatte, die Schweiz anzugreifen. Vielleicht Liechtenstein!
Nach knapp 500 Höhenmetern standen wir auf dem ersten Pass und ein Talkessel lag vor uns, aber auch der Blick auf wunderschöne neue Berge. Wir stiegen in den Kessel hinab, vorbei an Kühen und machten unsere erste richtige Rast an einer Almhütte. Zum Glück liefen wir mit den Amerikanern und sie liefen etwas langsamer als wir. Das gab mir die Gelegenheit an besonders schönen Plätzen den Gorillapot herauszuholen und sogar einige Aufnahmen mit dem Graufilter zu machen (von schäumenden Bächleins)
Nach der Hütte ging es aus dem Kessel wieder heraus und der Blick vom Pass war heute mindestens so umwerfend wie gestern. Doch nun hatten wir 1800 Höhenmeter unter uns, zu bewältigen, um zu Abend zu essen. Der Abstieg war aufgrund der Länge aber auch wegen der Beschaffenheit des Weges etwas anstrengender. Da wir aber nicht mal halb-soviel Höhenmeter bergauf gemacht hatten, waren noch mehr Kraftreserven vorhanden. Bergab trafen wir auf eine Schafherde, die sich uns zutraulich und neugierig näherte, völlig angstfrei. Als wir das steilste Stück geschafft hatten, pfiff es von allen Seiten, Murmeltiere. Ich machte ein paar Aufnahmen, Toma ging weiter. Als ich fertig war, stand sie unbeweglich an einer Stelle mit dem Handy. Ich näherte mich vorsichtig und sah in 3-4 metern vor ihr ein Murmeltier sitzend. Nun fotografierte ich erst Toma mit dem Nager und dann filmte ich. Das Tierchen bewegte sich sogar noch von seinem Bau weg, machte Männchen, obwohl wir uns nun beide in nächster Nähe befanden. Tolle Filmaufnahmen. An diesem schönen Platz
Aßen wir auch zu Mittag und warteten auf die Amerikaner. Wir waren am Pass zuerst vorausgegangen und hatten einigen Vorsprung. Sie kamen nicht. Ein junger Mann, der den Weg vom Pass kam, sagte uns, dass die drei langsam gingen aber alles in Ordnung sei.
Wir nahmen die restlichen knapp 900 Höhenmeter in Angriff. Diesmal gab es keine Wasserfälle, aber immer wieder Walderdbeeren und Himbeeren. Eine Alm hatte noch einen Selbstbedienungs-Getränke-Kasten.
Dann wandte sich der Wanderweg von der Straße ab und führte steil zum „Bach“ hinunter. Nicht einer der bequemsten Wege.
Als wir das Dorf sahen, schlug die Kirchturmuhr 6. Wir wussten, dass de Amis im Raben gebucht hatten und fragten ein vorbeifahrendes Auto nach dem Weg. Es ging noch ein gutes Stück durchs, bis wir im Hotel Raben ankamen und die Wirtin uns sagte, dass sie keine Zimmer mehr hatte, aber im Dorf eigentlich nur noch der Adler mehrere Zimmer hätte, doch der war geschlossen, (Hatten wir im Vorbeigehen gesehen). Also fragte ich nach einer Dachkammer und traf ins Schwarze. Wir bezogen unser Quartier unter dem Dach mit Dusche eine Etage tiefer und
Hielten Ausschau nach den Amis. Stephen kam, als wir schon geduscht waren. Jane kam kaputt gegen 19.30 Uhr, also mindestens eine Stunde später. Wir aßen alle gemeinsam Abendbrot und besprachen die Pläne für morgen.


Ganz gemütlich bei Regen

Wir schliefen gut unterm Dach und ließen uns durch meine Armbanduhr wecken. Da das Fenster auf war, bekam man den akustischen Eindruck, dass die Autos auf nasser Straße fahren. Und als wir mit Brille dann aus dem Fenster schauten, sahen wir dass es geregnet hatte die Nacht, obwohl die Wetterapp nichts davon vorausgesagt hatte.
Wir hatten uns mit Stephen verabredet und wollten am heutigen Tag gemeinsam nach Urnerboden laufen. Stephen hatte einen ziemlich ähnlichen Plan wie wir, Jane und Glenn wollten heute schon über den Klausenpass nach Altdorf, davon aber einige Abschnitte mit dem Bus fahren. Also unser Plan war, die Höhenmetern mit dem Funikolor (Standseilbahn) nach Braunwald zu überwinden und dann am Berg entlang nach Urnerboden zu laufen. Die Bahn fuhr 9.25 Uhr und wir verließen das Hotel kurz nach 9 Uhr. Sie fuhr ohne uns. Aber es war trotzdem gut, dass wir uns noch sehr beeilt hatten, denn 50 Meter vor der Talstation begann es richtig heftig zu regnen. Toma wurde auch noch richtig nass. Oben in Braunwald angekommen, regnete es immer noch heftig und wir zogen unsere Regensachen an. Den Weg zu finden, war nicht einfach und auch die hilfreichen Schweizer, die uns sogar nachliefen um uns zu warnen, dass wir falsch liefen, hatten es nicht einfach uns auf den richtigen Weg zu bringen. Zu guter Letzt gelang es. Nach einer Stunde waren wir, als der Regen gerade aufgehört hatte, auch in Nuesli und machten eine Pause im Cafe. Die Wolken rissen auf und Teile des Himmels hatten wieder das gewohnte Blau. Ich hatte die Kamera schon in den Rucksack verstaut, mit wenig Hoffnung heute ein Bild zu machen, aber jetzt gab es wieder gute Motive.
Nach Nuesli ging es durch den Wald, ohne dass wir viel Höhenmeter machten. Wieder nach etwa einer Stunden öffnete sich der Wald und wir hatten eine herrliche Sicht auf die steilen Felswände zu unserer Rechten und den Klausenpass mi den ihn umgehenden Bergen. Blickten wir zurück, konnten wir den gestrigen Pass sehen. An einer Sennerei machten wir noch einmal halt und nutzten die weitverbreitete Möglichkeit der Selbstbedienung in Hütten, wo man Getränke und Snacks kaufen konnte mit einer Kasse des Vertrauens. Dann ging es kurz und schmerzlos ein wenig bergab, bis zur Passstraße der wir folgten und dann entlang des Flusses uns Urnerboden näherten. Wir gingen bis zur Kirche und stellten fest, dass wir den Gasthof Sonne vor einer halben Stunde passiert hatten, also wieder zurück mussten und dass bei wieder beginnenden Regen. Der Gasthof Sonne, welche Parodie, der Tag und Sonne und wir übernachten im Gasthof Sonne, hatte noch freie Zimmer. Stephen und wir waren wahrscheinlich die einigen Gäste. Insgesamt ein sehr gemütlicher Tag.


Urlaub und es gibt keine Werte!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Heute war der erste URLAUBSTAG. Es war der 17. Tag der Wanderung, ziehen wir zwei ab einen für den Ruhetag, einen für die Busetappen, bleiben 15 und heute war der erste Tag, an dem wir völlig entspannt die Etappe abwickelten. Wir waren die einzigen Gäste die in der Sonne, bei Regen(ein Wortspiel), über Nacht blieben. Wir kamen ins Gespräch mit der Wirtin und erfuhren, dass sie vor 14 Jahren den Gasthof gekauft hatte, dass es immer weniger Menschen in den Dörfern werden, dass die Häuser verfallen, weil die Jungen in die Stadt ziehen, wir konnten es gut an den dunklen Häusern sehen, an den Häusern, in denen kein Licht mehr brannte, wenn es dunkel wurde. Aber wir erfuhren auch, dass es in den unzugänglichen Gebieten (die 20 km weit weg von der Zivilisation sich befinden) im Winter passieren kann, dass sie abgeschnitten sind, ohne Verbindung, ohne Zugang zu frischen Lebensmitteln, sich deswegen bevorraten um einen Monat ausharren zu können, nur der Strom darf nicht ausfallen, da sie eine Ölheizung haben. Auf den Höfen kommt man auch dann noch zurecht, denn es gibt noch Holzfeuerung.
Interessant war jedoch auch, dass die Wirtsleute Bescheid wussten bis zum Dorfende, was danach kam wussten sie nur vom Hörensagen, also was wir morgen machen werden, hatten sie noch nicht gemacht, obwohl sie schon 14 Jahre hier wohnten, lebten. Frag mich nicht nach den Straßennamen in Marl-Sinsen, wo ich nun schon über 20 Jahre wohne. Ja die Kanutour auf der Lippe war eine Offenbarung in diesem Sommer, wie schön es bei uns ist.
Wir nahmen den Bus, der direkt vor unserem Haus abfuhr und fuhren bis zur letzten Haltestelle vor dem Klausenpass und dort begann um 9.00 Uhr unsere heutige Wanderung. Bergauf, aber nur noch kurz und nicht allzu steil. Oben am Pass angekommen waren alle Parkplätze besetzt und der rote Ferrari, ein Coupé, musste abdrehen und konnte nicht auf dem Pass anhalten.
Wir stärkten uns und sahen von der Tränke, wie aus dem kleinen Kirchlein auf dem Klausenpass Dinge herausgetragen wurden. Der Pfarrer las heute die Messe unter freiem Himmel und seine Schäflein hatten sich schon eingefunden. Einige begrüßte der Pfarrer per Handschlag und erkundigte sich nach dem Wohlbefinden (Das habe ich jetzt mal geraten, da wir das Schweizerdeutsch nicht so richtig verstanden.). Wir warteten nicht bis zum Beginn der Predigt, 20 Minuten waren es uns nicht wert. Also ging es vom Pass (natürlich) bergab in Richtung Ratzi, auf einem wunderschönen Höhenweg, von dem wir ständig die hohen Berge sahen, manche noch schneebedeckt, aber auch einen herrlichen Blick ins Tal und auf die Almen auf der gegenüberliegenden Seite hatten. Wir kreuzten die Passstraße und nach einer guten halben Stunde waren wir an einer Beizli angekommen (Almrestaurant) und erfrischten uns. Der Weg nach Ratzi ging mal leicht bergab, mal leicht bergauf, aber sowohl die Anstiege als auch die Abstiege waren leicht zu meistern. Der angekündigte Regen oder zumindest die versprochenen Wolken ließen sich nicht sehen. Wir schlenderten geradezu dem Tagesziel entgegen. Die Aussicht auf die Berge, ob nun vor oder hinter uns, war einfach immer grandios.
Nach 6¼ Stunden hatten wir die Seilbahn von Ratzi erreicht. Ein völlig unscheinbares Häuschen in dem eine rote Kabine stand, die höchsten 8 Personen aufnehmen konnte, zur Abfahrt bereit. Die beiden Schweizer in der Kabine hatten aber die Tür mit einer Tasche blockiert, sodass die Bahn nicht losfahren konnte. Toma kam noch schnell angerannt und zu fünft mit Rucksäcken wurde es schon ganz schön eng. Kaum das wir alle drin waren, setzte sich die Kabine in Bewegung und wir fuhren wie von Gottes Hand gesteuert ins Tal. Im Tal erwartete uns der Herr der Bahn, nahm uns das Geld für das Ticket ab und ließ die Bahn wieder laufen, da oben schon wieder Leute auf die Talfahrt warteten.
Den Rest der Tagesetappe erledigte der Postbus. Es war noch ein Zimmer im selben hotel fei in dem auch Stephen gebucht hatte und wir nahmen es natürlich. 18.00 Uhr gingen wir zum Italiener und aßen gut zu Abend.
Mit den Werten erkläre ich später. Ich fand es aber so wichtig für mich, dass ich es unbedingt an einer exponierten Stelle aufschreiben musste. (Lektion von Andre Pawlowitsch Kurpatov)



Ein fantastisches Panorama auf dem Weg nach Engelberg

Altdorf im Kanton Uri

Die Schweizer Ferienwoche macht sich bemerkbar. Kein Mensch an der Rezeption, als wir im Hotel einchecken wollten, das Hotel geschlossen.
Beim Frühstück keiner in der Küche, Selbstbedienung. Servicekräfte sind knapp.
Der Bus zur Seilbahn fuhr direkt vor unserem Hotel ab und wir schafften den 8.30 Uhr Bus. Die Seilbahn war wieder so eine private Bahn, wo man anrufen musste, wenn man hochfahren wollte.
Wir saßen gemeinsam mit einer 68ig jährigen Schweizerin in der Kabine und sie hatte ebenso die Welt gesehen, Nepal, Bhutan, Lateinamerika…und ging heute auch über en Sorenpass nach Engelberg. Kaum einer geht vom Tal nach oben, wenn es eine Seilbahnmöglichkeit gibt. Und andersherum ebenso. Wir bezahlten oben und zwar gleich ein Kombiticket, dass billiger war und sogleich die Talfahrt am Ende der Wanderung einschloss.
Der restliche Aufstieg, und es war noch ein beträchtlicher Teil, ging gut voran. Auf der Alm tranken wir einen Rivella und starteten dann zum letzten Stück. Dies führte über mehrere Schneefelder und es gab einen oberen und einen unteren Weg. Toma nahm den unteren, (besser markiert), ich den oberen (ohne Höhenverlust). Stephen ging mit Toma. Ich war schon fast am Ziel, als die beiden noch immer über die Schneefelder liefen. Stephen rutschte aus und fiel hin, was von oben gut zu sehen war. Ich ging bis zum Punkt, wo sich die Wege wieder trafen, legte mein Rucksack ab und lief den beiden zur Hilfe.
Bis zum Pass war es dann nicht mehr weit und wieder hatten wir eine großartige Alpenlandschaft vor uns, als wir ins nächste Tal blicken konnten. Bis zum Pass hatten es auch einige Mountainbiker geschafft. Sehr beeindruckend, mir gefiel besonders, dass ich ihre Räder als Vordergrund nutzen konnte. Bergab wieder Murmeltiere, dann ein Beizli, wo wir eine schmackhafte Suppe aßen, die geschmückt war mit Bergblumen (die man essen konnte) – Rosen (vielleicht nicht de typische Bergblume), Kornblume und Ringelblume – dann aber auch schon wurde die Zeit knapp, um noch rechtzeitig den letzten Bus nach Engelberg zu erreichen. Stephen ging schon vor und wir folgten ihm etwa nach einer Viertelstunde.
Nach der Gabelung des Weges – Tal direkt oder weiter zur Bergstation der Fügeralp – hatten wir dann einen umwerfenden Blick auf die gegenüberliegenden hohen Berge, auf denen noch Gletscher zu sehen waren, die die Bäche und Wasserfälle speisen, die den Hang hinunter rauschten.
Wir waren rechtzeitig an der Bergstation, rechtzeitig an der Bushaltestelle unten (nach einer Talfahrt, die es in sich hatte und stiegen in Dorfmitte aus, um mit Stephen zu seiner Unterkunft zu gehen. Ein Hotel, was von Nonnen geführt wird. Sie hatten noch Zimmer für uns. 3 Zimmer für uns 3. Wir wünschte mir dann doch ein Doppelzimmer und die Nonnen machten es möglich.
Abendbrot aßen wir mit Jane, Glenn und Stephen. Jane und Glenn hatten einen Ruhetag in Engelberg verbracht und sich viele Gedanken über die morgige Tour. Das gab eine heiße Diskussion am Tisch im Restaurant, wie die Etappe morgen am besten für Stephen und uns zu gestalten ist. Morgen Abend werden wir es wissen, wie es. Gelaufen ist.


Engelberg – Meiringen

In der Nacht bei den Nonnen hatten wir wohl unser interessantestes Zimmer, besser die interessantesten Zimmer. Nennen wir es die Wohnung, sie lag im alten Teil des Gebäudes und diente bestimmt der Beherbergung von höheren geistlichen Würdenträgern. Das große Zimmer für den VIP-Geistlichen, das kleine für seine Begleitung. Das große hatte eine sehr schön gearbeitete Holzdecke, einen Parkettfußboden mit Einlegearbeiten, Einbauschränke aus edlem Holz, viele Kleinigkeiten aus alter Zeit, eine kleine Schale mit Weihwasser an der Wand, ein Doppelbett aber nur eins davon war bezogen. Es gab nur einen kleinen Wehrmutstropfen, keine Seife. Zum Glück fand sich bei mir noch ein kleines Stück in der Kosmetiktasche.
Stephen trafen wir beim Frühstück und er hatte seine Entscheidung getroffen, was er heute machen würde. Es war eine Überraschung. Stephen kürzte seine Reise um eine Woche und begab sich auf den Heimweg. Es kam vieles zusammen und wir wünschten ihm eine gute Rückkehr. Glenn und Jane trafen wir an der Seilstation. Wir fuhren zusammen hinauf zum Trübsee. Die Beiden starteten auch hier und wir liefen bis zum Jochpass gemeinsam und erfrischten uns dort mit einer Rivella und einer Apfelschorle. Jane nahm den Lift bergab, Glenn kam mit uns und am Tagesziel von Glenn und Jane, auf der Engstlealp aßen wir gemeinsam Mittag und verabschiedeten uns. Wir mussten die letzte Seilbahn nach Meiringen schaffen, um den Abstieg nicht zu Fuß bewältigen zu müssen. Die auf den Wegweisern angegebene Zeit war mehr, als wir noch zur Verfügung hatten. Es hieß also schneller laufen. Auf der Tannenalp machten wir keine Pause, da die Zeit immer noch knapp war. Halb um den See rum, zum Gipfelkreuz hoch und dann begann ein wunderschöner Kammweg, mit herrlicher Aussicht zu unserer Linken und auf die Berge vor uns. Doch wir mussten zügig gehen, obwohl wir nun schon in der Zeit lagen. Die Seilbahnen, die wir zu unserer Rechten sahen, waren alle noch nicht die richtigen, die die nach Meiringen hinab fuhren. Erst kurz nach 15.00 Uhr sahen wir definitiv unsere Bahn in der Ferne und hatten aber noch weit zu gehen. Das Wetter hielt, obwohl es mehrmals tröpfelte. Ein frischer Wind auf dem Kamm trocknete den Schweiß sehr schnell. Bis zur Seilbahn hatten wir eine wirklich prächtige Aussicht, ein wenig zu diesig war es für die Fotos.
10 nach 4 Uhr waren wir an der Bahn und glaubten unseren Ohren nicht, als wir den Preis von 45 Franken für ein Einzelticket ins Tal erfuhren. Die Freude, dass wir die letzte Talfahrt geschafft hatten, überwog dann wohl doch. Mit mehrmaligen Umsteigen ging es von 2200 Metern hinab auf unter 500 m ü.N.N.. Da wir beim letzten Umsteigen sehr lange in der stickigen Bahn ausharren mussten, bevor es los ging, waren wir ziemlich geschafft und wollten schnell unter die Dusche. Das zweite Hotel auf dem Weg von der Gondel ins Stadtzentrum hatte ein passendes Zimmer für uns, aber ohne Frühstück. Meiringen ist berühmt für die Reichenbacher Wasserfälle, wo Sherlock Holmes mit seinem Widersacher Higgins in den Tod stürzte. Es sollte der Abschluss der Serie sein, doch da die englischen Leser unbedingt weitere Geschichten von ihrem Helden wollten, entschied sich Arthur Conen Doile ihn wiederzubeleben.
Es gibt ein Museum in der Stadt, eine Bronzestatue und ein Fernglas, mit dem man die Wasserfälle direkt vom Museum sehen kann.



Meiringen – Grindelwald
Erster August – Nationalfeiertag der Schweiz

Da das nächtliche Arrangement diesmal kein Frühstück beinhaltete gingen wir zum Bäcker, der laut eigener Aussage Merenge / Bise erfunden und die größte Merenge aller Zeiten in seiner Sauna gebacken haben soll.
Der Bahnhof und die Bushaltestelle waren nur zwei Minuten entfernt, und wir waren sehr rechtzeitig am Bus. Wir lösten bis Rosenlaui (die kleinste Gemeinde der Schweiz). Besser wäre es eine Haltestelle eher auszusteigen, um zu Fuß einen Blick ins Gletschertal zu werfen, nicht nur aus dem Busfenster.
Doch der Reihe nach. Ich gab Toma 25 Euro, damit sie den Bus bezahlen konnte, das reichte bei Weitem nicht. Eine Fahrt (5 oder 6 Haltestellen) kostete 24 Euro. Doch der Fahrer war sehr nett und machte die Fahrt um Erlebnis. Er begrüßte die Passagiere und gratulierte zum Nationalfeiertag. Während der Fahrt kommentierte er ausführlich die Sehenswürdigkeiten, an denen wir vorbeikamen. Natürlich passierten wir den Reichenbacher Wasserfall und wir erfuhren mehr über Sherlock Holmes und seinen angeblichen Tod. In jeder zweiten Kurve erklang das Horn, das mich an das Horn der Postkutschen erinnerte, (wir fuhren ja mit dem Postbus), obwohl ich diese Zeit nicht mehr erlebt habe, aber es könnte so geklungen haben).
Am Hotel in Rosenlaui stiegen wir also aus und das letzte Stück Weg begann. Es ging bergauf, etwas abseits der Straße, wenn möglich am Fluss entlang. Als der Blick auf die Berge zu unseren Linken frei wurde, war kein Zweifel mehr, dass es ein schöner Tag werden würde. Es waren die höchsten Berge, die wir bisher sahen. Die Gletscher bedeckten ihren oberen Teil und Wasserfälle stürzten sich von dort in die Tiefe, uns entgegen. Wir blieben aber immer in Straßennähe, querten sie ab und zu und bewunderten die Radfahrer, die sich die Berge hinauf quälten. Nach einer guten Stunde kündigte sich wieder der Postbus mit seinem klangvollem Horn an. Heidelbeeren, Walderdbeeren und Himbeeren gab es entlang des Weges ausreichend, so dass an ein schnelles Fortkommen nicht zu denken war. Wir gingen sehr gemütlich, die letzten Wanderminuten genießend. Kurz vor dem Pass, der heute das Große Scheidegg hieß, gab es kleine Seen, in denen sich die Berge spiegelten, so hoffte ich. Toma ging voraus und ich suchte noch einmal schöne Bergmotive.
Im Großen Scheidegg machten wir Mittag und schauten mit Sorge in Richtung Westen, wo es schon gewitterte. Auf dem letzten Wegstück zum Pass, hatte es schon leicht geregnet, doch die Wolke hing über dem kleinen Scheidegg, das ein paar Kilometer Luftlinie entfernt ist.
Bis Grindelwald sind es vom Pass noch etwa 2,5 Geh-Stunden. Kurz nach 1 Uhr machten wir uns auf, die letzten Höhenmeter abwärts. Nicht weit gegangen, sahen wir wieder Murmeltiere. Das Muttertier verschwand, als wir zu nah kamen, die Kleinen saßen vor dem Loch und ließen mich ganz nah an sie heran, zum Fotografieren und Filmen.
Irgendwann, ja der Abstieg zog sich, begann es dann doch stärker zu regnen. Toma hatte schon vorgesorgt und sich völlig eingekleidet, ich rettete mich von Baum zu Baum. Der letzte Teil des Abstiegs führte dann auch durch den Wald, sodass der Regen von dem Blattwerk abgehalten wurde.
Als wir dann Rehe und gleich danach Lamas auf einer Wiese sahen, tauchte auch ein Restaurant auf. Wir wollten uns noch einen letzten Drink genehmigen und gingen hinein, bzw. auf die Terrasse. Hier trafen wir auf zwei junge Schwäbinnen, die den ersten Tag auf dem Bärentreck unterwegs waren (mit ZELT!). Als wir den Wirt, mit einem wunderbar gezwirbelten Schnurbart!!!, fragten, wo wir übernachten können, organisierte er uns ein Hotel in der sonst völlig ausgebuchten Stadt. Es ist Nationalfeiertag und Schweizer Ferienwoche. (Hotel Panorama). Er nahm uns auch gleich mit dem Auto mit zum Hotel (das Auto war so gut mit allem Möglichen gefüllt, dass es erst einige Zeit dauerte, bis auf der Rückbank ein Plätzchen frei wurde), nachdem er sein Restaurant geschlossen hatte.
Es war ein ganz kleines Zimmer, wieder unter dem Dach aber für nur 100 Franken! Als wir beim Abendessen saßen, dass wir mit einem riesigen Merenge-Sahneeis ausklingen ließen, nahm ich noch einmal den Fotoapparat und ging die Treppe von der Terrasse des Hotels hinunter zum Parkplatz, einige letzte Fotos zu machen. Der Himmel war wieder leicht aufgehoben, der Regen hatte sich verzogen und der Blick auf die Berge war schon schön. (Das Hotel nannte sich völlig zu Recht Panoramahotel.)
Und es geschah das völlig Unerwartete. Die Sonne strahlte
die gegenüberliegenden Berge an, deren oberen Teil. Wir erlebten eine unglaublich schönen Sonnenuntergang. 150 Bilder habe ich gemacht, aufgeregt, völlig fasziniert, immer denkend, dass ich einen Moment verpasse.
Das angekündigte Feuerwerk im Tal ließ entweder zu lange auf sich warten (und war waren schon zu Bett) oder war recht kurz.

Die Fahrt nach Hause Donnerstag 2. August
Im Jahre 2004 war sie uns zu teuer, die Fahrt hinauf zum Jungfrauenjoch. Heute wollten wir die Reise auf das Dach Europas (den Japanern und Chinesen wird es so verkauft) nachholen. Eigentlich wollten wir mit dem ersten Zug am Morgen starten, doch Frühstück gab es erst ab 8 Uhr. 9.00 Uhr waren wir am Bahnhof. Es war Kaiserwetter. Top-Bedingungen. Doch die Natur machte uns einen Strich durch die Rechnung. Felsbrocken waren auf die Gleise gefallen und die Strecke vom Kleinen Scheidegg nach ganz oben war gesperrt. Wir kauften unser Ticket nach Hause für den Nachmittag (15.19 Uhr) und hofften noch 1,5 Stunden, dass das Problem beseitigt ist. Es sollte nicht sein. Also verbrachten wir die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges im Zentrum von Grindelwald, mit Japanern und Arabern und schauten mit Wehmut ab und zu nach oben zur Eigner- Nordwand, die einen kleinen Wolken-Hut aufhatte, damit die Sonne den neu- gefallenen Schnee nicht wieder wegtaute. Nun sitzen wir im Zug (SBB) nach Basel lassen die Alpen und unseren Urlaub hinter uns. Ich freue mich auf die Fotos.